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22. Juni 2010 – 15:50 | Ein Kommentar

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Kurtisane der Herzen

Eingetragen von Vanessa Eden auf 2. Februar 2010 – 20:582 Kommentare
Kurtisane der Herzen

Kurtisane der Herzen

Inspiriert von Beiträgen im Internet, persönlichen emails und Kommentaren wie diesen HIER - Wenn ich mich mit dem Kurtisanentum, vorwiegend im 16. Jhd. beschäftige, stoße ich immer wieder auf folgende Aussage:

Kurtisanen waren zum einen besonders gebildet und belesen, wurden dadurch zur Muse und Inspiration ihrer Kavaliere und sie lebten besonders luxuriös.

Heute lese ich zeitweise im Internet, wie das Kurtisanentum im 16. Jhd. gesehen wird. Es scheint, als ob diese Zeit besonders glamourös war – zumindest für die hoch angesehenen Kurtisanen. Ich konnte lesen, dass die Kurtisanen von heute, oder die, die sich als solche bezeichnen (ich schließe mich mit ein), nicht mehr diesem Anspruch des 16. Jhd. genügen würden. Sie wären weniger gebildet und würden überhaupt nicht der Klasse entsprechen, den die Kurtisanen zu dieser Zeit in Rom hatten.

Bei diesen Artikeln wird allerdings komplett vergessen, dass eine Kurtisane, Mätresse oder wie auch immer man uns bezeichnen möchte in der Postmoderne vom Grundsatz her, nicht mehr dieses Ansehen in Form der Elite genießen wird – zumindest nicht in absehbarer Zeit. Dann komme ich wieder auf mein Lieblingsthema, welches ich demnächst ausführlicher behandeln werde und welches teilweise schon in meinem Artikel: Mein gefühlter Makel in der Kommentarfunktion beschrieben wurde.

Bildung und Wissen hat nicht zwingend etwas mit der Gabe des Selbstdenkens zu tun. Nur ein Mensch, der in der Lage ist selbst zu denken, schafft es, Zusammenhänge zu verstehen und sich in verschiedenste Situationen hineindenken zu können, Menschen zu studieren, aufmerksam durchs Lebens zu gehen und auch sich selbst reflektieren zu können – was meiner Meinung eines der wichtigsten Dinge im Leben darstellt. Ohne Selbstreflektion kann sich der Geist nicht entwickeln. Das gelingt den Menschen, die die Kombination (um auf Fromm zurückzukommen) im Existenzmodus ’Sein’ leben und Wissen/Bildung für ihr Leben beherrschen am besten.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass bei den Kurtisanen im 16. Jhd. ein Bildungsgrad ausreichte. Auch diese Damen, mussten ihn bereits anzuwenden wissen, um eine wirkliche Bereicherung für ihre Kavaliere zu sein.

Der andere Punkt ist das luxuriöse Leben, das die vermeintlich angesehenen Kurtisanen lebten. Man sieht, an diesem Argument, Ziel oder Fehlentscheidung hat sich die Welt bis heute nicht viel verändert – wenn nicht sogar gar nicht. Man geht also davon aus, dass wirklich angesehene Kurtisanen im Reichtum lebten, bzw. dass nur im Reichtum lebende Kurtisanen wirklich angesehen waren. Die Frage, die ich mir stelle ist:

Waren sie dabei auch die glücklichsten Kurtisanen ihrer Zeit?

Wenn man bedenkt wie kurz die Zeit wirklich war, in der die Kurtisanen Ruhm und Ansehen genossen haben, frage ich mich, was für diese Frauen wirklich erstrebenswert war. Der Ruhm und das Ansehen mit dem Risiko unglücklich zu sein? Diese Frage stellen sich die Menschen, die über Kurtisanen schreiben, meist nicht. Wie auch? Sie sind keine Meister im Selbstdenken, sonst hätten sie selbst schon darüber nachgedacht. Zudem haben sie nie dieses Leben geführt und lassen sich vom Schein blenden. Der Schein, dem nach wie vor Milliarden von Menschen hinterher laufen: “Geld macht glücklich”. Mit dem Geld ist es wie mit dem Wissen. Es zu haben ist sicherlich schön, doch wer es nicht sinnvoll verwerten kann, dem verhilft es auch nicht zum Glück.

Und eine Kurtisane, die nicht luxuriös lebt, da sie übermäßigen Luxus abstoßend findet? Eine Kurtisane, die ihren Kavalier lieber zu Hause bekocht, ich meine natürlich, in ihrem Salon das Essen serviert *lach*, obwohl er sie, wann immer sie wollte, zum Essen einladen würde? Eine Kurtisane, die an Weihnachten kein Geschenk von ihm möchte, da sie dieses sinnliche Fest nicht durch Oberflächlichkeiten verderben möchte? Eine Kurtisane, die tiefer geht, weil sie viel gesehen und erlebt hat und den Schein des Geldes hinter sich hat? Eine Kurtisane, der es genügt mit 20,- € in der Tasche wandern zu gehen, weil sie die Natur über alles liebt, und eine Brotzeit auf der Hüttn nicht mehr als 6,- € kostet? Eine Kurtisane, die es nicht darauf anlegt die reichsten Männer der Welt zu treffen, da Geld oft den Charakter verdirbt… Ist sie dann keine angesehene Kurtisane? Ist sie nicht Kurtisane genug, um sich Kurtisane nennen zu dürfen?

Meine Erfahrung ist folgende:

Männer, die alles in ihrem Leben erreicht haben, von dem sie meinten, es müsse erreicht werden – kommen wieder an diesen Punkt zurück, dass Geld eben doch nicht glücklich macht. Sie suchen nach dem tatsächlichen Sinn im Leben, nach ihrem Sinn. Meine Erfahrung war, dass Männer, die sich ihr Geld hart erarbeitet haben, Selbstdenken können und somit nicht dem falschen Glück hinterherrennen, eher nach einer Geliebten Ausschau halten, die sinnvoll und sorgsam mit den Finanzen umgeht und sich über Vorgänge Gedanken macht. Mit Vorgänge meine ich, nicht sinnlos und brutal alles zu kaufen, was zu kaufen ginge, wie: Pelzmäntel aus qualvoller Tierzucht, Gänsestopfleber – Tierqual in Höchstform, Teppiche in Kinderhänden hergestellt, etc.

Ein Mann möchte sein Leben in der Regel durch eine Geliebte oder Kurtisane bereichern. Dazu gehört, dass sie noch besser weiß als er, was es zum Glücklichsein braucht und selbstverständlich auch selbst glücklich ist und Zufriedenheit ausstrahlt. Reichtum und Luxus ist es jedenfalls nicht. Das Glück steckt in den kleinen Dingen der Welt. In den Dingen, die von Herzen kommen, die sie ihm, wenn auch auf andere Art, gerne von ganzem Herzen wiedergeben wird.

Oberflächliche Gespräche
sind Zeitvergeudung,
in der Tiefe
liegt die Wahrheit.

Leben muss Leben begegnen,
sonst lenken Worte nur ab
von der inneren Leere
des Zusammenseins.
(Hans Kruppa)

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2 Kommentare »

  • Jürgen sagt:

    Liebe Vanessa,
    wow, dein stärkster Artikel bis jetzt.
    Will dich zu jemanden im Geiste von Hans Kruppas einladen, wen du magst.
    lg
    Jürgen

  • tjm sagt:

    Wir tragen viele Masken und haben kein Gesicht.
    Wir sprechen eine Sprache, verstehn einander nicht.
    Wir leben in der Fülle und sind im Herzen leer.
    Wir sehnen uns nach Stille, ertragen sie nicht mehr.

    Wir suchen tausend Sonnen und sind doch ohne Licht.
    Wir rühmen unsere Freiheit und haben sie doch nicht.
    Wir dienen vielen Göttern und sind so fern von Gott.
    Wir spotten mit dem Munde und in uns brennt die Not.

    Ja, einer kennt die Namen und weiß, wie es uns geht.
    Ja, er spricht eine Sprache, die jedermann versteht.
    Er gibt uns aus der Fülle, die er geschaffen hat,
    und schenkt uns eine Stille durch seine große Gnad.

    Ist denen Licht und Sonne, die glauben an sein Wort,
    verheißt den Menschen Freiheit an jedem Ort.
    Gott hilft zu neuem Leben, vergibt uns in Geduld.
    Drum lasst uns vor ihn treten mit aller unsrer Schuld.

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