Die Geliebte sein

Die Geliebte sein
Diese Rolle hatte ich des öfteren in meinem Leben, verliebt in einen verheirateten oder bereits vergebenen Mann, kurz, nebenbei.. verschwindend in der Empfindung. Doch einmal hatte ich sie richtig, mit allem was dazu gehört, über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Ich glaube, Frauen sind prädestiniert für die Rolle der Geliebten. Auf Grund von Erziehungsmodellen, dem oft ausgeprägten “Helfer-Syndrom” und der anfänglichen Hochachtung, die man erfährt, tappen Frauen immer wieder in die Geliebtenfalle.
Vielleicht ist es aber auch gar keine Falle, sondern ein Heilungsprozess, durch den jede Frau gehen muss, nach dem Motto und Buchtitel: “Jeder bekommt den Partner, den er verdient.” – nämlich so lange, bis er gelernt hat, an seinem Verhalten etwas zu ändern.
Die Anfänge waren unterschiedlich. Meist lernte ich ihn in der Freizeit kennen. Beim Sport, beim Tanzen, durch Bekannte oder auch im Escortservice. Man ist sich auf Anhieb sympathisch, lacht viel, findet sich nett und erfährt meist recht bald, dass er in einer Beziehung lebt. Selbstverständlich ist diese Beziehung mittlerweilen völlig im Eimer, er wird sich auch bald trennen und überhaupt verbindet ihn mit seiner Partnerin meist nicht mehr als das Kind und die gemeinsame Wohnung. Sex haben sie schon laaange keinen mehr, denn sie vernachlässigt ihn völlig. Liebe? Was ist Liebe? Das existiert bei den beiden selbstverständlich auch nicht!
In meiner zwei-jährigen Affäre war der Ablauf etwas anders. Dort fand ich selbst nach kurzer Zeit heraus, dass er verheiratet war. Als dann auch am dritten Wochenende wieder mal das Handy aus war, klingelte es schon – bei mir im Kopf und bei ihm an der Tür.
Er erzählte mir beim Kennenlernen, er sei alleinerziehender Vater. Nein, ich muss anders beginnen: Es war einmal ein alleinerziehender Vater. Der Grund, warum die Frau bei ihm ans Festnetz geht, war der, dass sie wohl gerade das gemeinsame Kind besuchen würde. Ja, sie kommt des öfteren vorbei, hat auch einen Schlüssel, so dass sie das Kind immer sehen, kann, wann sie es wollte. Wie das zustande gekommen kam? Na, da er als vielbeschäftigter Geschäftsmann oft unterwegs war, sei er eines Tages nach Hause gekommen und habe sie im Bett mit einem anderen vorgefunden. Deshalb sei auch das Kind bei ihm geblieben. Dass eine Frau Sonntags Abend auf dem privaten Festnetz, sich mit Vornamen vorstellend, anruft und ihn verlangt, fand er auch unmöglich. Aber er könne schließlich nichts dafür. Ich mutierte plötzlich von der Geliebten zu einer Bewerberin der Firma, die den Job eben unbedingt haben wollte…
:-)
Nichts desto trotz ging die Affäre nach kurzer Zeit weiter. Wir konnten die Finger nicht voneinander lassen – es war schlimm und zugleich das Schönste, was ich bis dato meinte je erlebt zu haben. Die zwei Jahre waren in erster Linie geprägt von harmonischem Zusammensein, inniglicher Zweisamkeit, vertrautem, hingebungsvollem Sex, Leidenschaft, Eifersucht, Liebe, Schmerz, Stimmungsschwankungen.
Unmittelbar nach einem Wiedersehen, wurden meine leeren Batterien aufgeladen. Ich fühlte mich ca. bis zu 24 Std. zum Bäume ausreissen – dann kam die Leere – die große, weite, gähnende Leere, die mich dazu drängte, auf das nächste Wiedersehen zu bestehen. Ich litt in dieser Zeit so sehr, dass ich diesen Schmerz endlich weg haben wollte. Das ging in diesem Moment nur durch ihn. Nur er schaffte es, mir diesen Schmerz zu nehmen und mich wieder Mensch sein zu lassen.
Ich war süchtig, abhängig, von diesem Stoff, der mir emotionale Höhenflüge bescherte, der das Leben so bunt werden ließ, der mich so unendlich glücklich machte, dass ich meinte, mir könne keiner mehr was. Der Entzug war grauenhaft, leer, grau, traurig, beängstigend, nicht in meiner Macht, willenlos, ergreifend und manchmal auch aggressiv und wütend. Ja, es ist eine Sucht, einem Menschen zu verfallen – jede Sucht wird durch den Entzug gebrochen – der Entzug schmerzt!
Das kuriose an dieser gesamten Affäre war schon der Beginn. Ich lernte ihn als Kunden über die Tätigkeit als Prostituierte kennen. Er kündigte bereits während des sympathischen Telefonats an, mich für vier Stunden treffen zu wollen. So herzlich und sympathisch wie das Telefongespräch war, so warmherzig war die Begrüßung im Anschluss. Obwohl sich zwei wildfremde Menschen gegenüberstehen, von denen beide wissen, was passieren wird, war diese Begegnung äußerst spannend. Während ich mit ihm schlief, passierte mit mir etwas, das ich bei noch keinem Kunden zuvor hatte und was mich in diesem Moment erstaunte - evtl. auch ein wenig erschreckte. Mir flogen die Schmetterlinge durch den Bauch, wie ich das zuvor nur von Verliebtheitsgefühlen mit meinen Partnern kannte. Dazu muss erwähnt werden, dass es nicht am grandiosen Sex lag. Den hatten wir nämlich nicht. Ich würde es eher als die Blümchennummer bezeichnen – nichts desto trotz zog uns etwas magisch an.
Es ist schwierig im Nachhinein diese Affäre zu beschreiben. Ich kann mich an enorme Gefühlsausbrüche erinnern, an den häufigen Versuch der Trennung. Wobei er nie insistierte, wenn ich eine Entscheidung traf. Ich scheiterte an mir selbst. Die Wochenenden war ich alleine – er, in seiner heilen Welt. An Feiertagen war ich alleine – er, in seiner heilen Welt. Zu Ostern, Weihnachten und an meinem Geburtstag war ich alleine – er, in seiner heilen Welt. Und dabei war es genau das, was ich mir mit ihm wünschte und mich überkam die Wut, Eifersucht und Neid!
Wütend war ich, dass er mich immer wieder hingehalten hat. Mir immer wieder Hoffnungen machte. Immer wieder, nachdem ich daran glaubte, mir diese Illusion nahm, denn er könne weder seine Frau, noch sein Kind verlassen. Es würden drei Welten zusammenbrechen – das müsse man bedenken.
Eifersüchtig war ich, da ich nie wusste, ob er wirklich noch mit seiner Frau schläft. Er erzählte mir zwar immer, dass das nicht der Fall wäre, da er ja genau aus diesem Grund anfing fremd zu gehen, doch wie heißt es so schön: “Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht… ” Und das tat er zur Genüge.
Neidisch war ich auf wohl alles, worauf man in einer solchen Situation neidisch sein könnte. Auf die schöne, heile Welt, nach der ich mich doch auch ein wenig sehnte. Ja doch, ich sehnte mich danach, mit ihm an der Seite noch mehr. Ich war neidisch auf das traute Heim, auf die Sicherheit, die er ihr bot, auf die Liebe, auf die Wärme, auf das, was ich meinte, es würde mir zustehen. Ich war der Meinung, ich würde ihm viel mehr Liebe geben als sie, ich würde ihm viel mehr Wärme und Zärtlichkeit geben, warum durfte dann sie mit ihm zusammen sein?
Irgendwann las ich diesen Satz und mir fiel es wie Schuppen von den Augen:
“Da, wo sein Leiden beendet ist, fängt das der Geliebten an.”
Ja klar, das war so logisch. In dem Moment, in dem er Linderung erfährt, da er endlich eine Kompensierung seines “Problems” gefunden hat, nämlich die Geliebte, kommt er gar nicht mehr auf die Idee, sich von seiner Frau zu trennen. In dem Moment, wo sie ihm Linderung verschafft führt er ein Leben im Schlaraffenland. Er schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Er behält Haus und Hof, die heile Welt nach außen und seine eigene Sicherheit, sollte es mit der Geliebten irgendwann einmal nicht mehr so funktionieren – dann ist er wenigstens im Anschluss nicht alleine, zudem hat er grandiosen Sex und ein bisschen was für’s Ego in der Midlife-Crisis.
Es ist auch hier wieder eine große Parallele zu ziehen mit anderen Suchtverhaltensweisen. In dem Moment, in dem der Süchtige eine Linderung seines Problems erfährt, da ihm die Person an seiner Seite hilft, sein Problem zu vertuschen, wird er nicht aufhören, seine Sucht zu beenden. Wobei ich damit nicht sagen will, dass er der eigentlich Süchtige ist. Ich war die Co-Abhängige, die sich ihn als “Täter” gesucht hat, um “Opfer” sein zu können. Die Co-Abhängige, die immer nur darauf gewartet hat, einen Menschen zu finden, für den sie tätig sein kann, dem sie helfen kann.
Und ich hätte ihm doch soooo gerne geholfen. Ich hätte mich für ihn aufgeopfert für diesen armen Mann, der von seiner bösen Frau so verkannt wird. Die wohl eine hervorragende Mutter ist (weswegen er sie auch nie verlassen könne), die aber ihn völlig im Regen stehen lässt und am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Jawohl und dann kam die Supervani und wollte ihn retten - diesen armen Mann! – Völlig erstaunt war sie dann, als sie feststellte, dass er sich gar nicht retten lassen wollte! Er wollte lieber in seiner “tragischen” Situation verharren, weiter jammern und leiden und sich bei Supervani Linderung holen.
Das ist genau der Punkt, dem viele Frauen verfallen: Er jammert, wie schlecht es ihm doch geht und dass es ihm nicht möglich sei, sich zu trennen, weshalb es ihm dann noch schlechter geht (ein Wunder, dass er das überhaupt überlebt) und die Geliebte fühlt sich als große Retterin und kann endlich ihrer Bestimmung nachkommen und HELFEN!
In dem Moment wo man sich in dieser Situation befindet, sieht man das selbstverständlich nicht. Denn das gesamte Konstrukt ist überdeckt von Gefühlen und die Situation an sich überfordert meist zu sehr, als dass frau klar denken könnte.
Auch ich wollte ihn unbedingt für mich haben, diesen Mann, der mich so faszinierte… und doch, wenn sogar von ihm die Initiative kam: “Woll’n mers rund machen?” , reagierte ich zurückhaltend. Ich freute mich zwar innerlich und hatte Hoffnung, dass ich diejenige sein könnte, die eines Tages neben ihm aufwacht und gleichzeitig hatte ich Angst, mich auf etwas wirklich zu freuen, was nicht eintritt. Zudem sahen wir uns wohl an vielen Tagen, doch eine Affäre haben und eine Beziehung zu führen ist nicht dasselbe. Das war mir auch zu diesem Zeitpunkt bewußt. Unterschwellig kam von ihm natürlich, dass er dann “wegen mir” seine Familie verlassen würde. Auch diesen Schuh wollte ich mir nicht anziehen. Eine solche Beziehung, die unter diesem Aspekt zusammenführt ist von Schuld und Druck kaum zu befreien. Eine solche Beziehung wollte ich dann auch nicht führen. Es war nicht frei genug, nicht locker, nicht von selbst. Dazu kam, dass er mich in dieser kurzen Zeit sooo oft belogen hatte, dass ich mich – dann doch wieder klar bei Kopf – doch fragen musste: “Willst Du diesen Mann wirklich? Das alles, was er jetzt hinter dem Rücken seiner Frau macht, macht er womöglich dann mit dir.”
Liebe muss frei sein, um sich entwickeln und wachsen zu können. Sie darf nicht durch Schuldgefühle, welcher Art auch immer gedrückt werden oder anders unter Druck stehen. Das alles wäre kontraproduktiv. Und ich, als freiheitsliebender Mensch wäre mit Druck dieser Art nicht zurecht gekommen. Auch heute bin ich noch der Meinung, dass man sich nicht trennt oder trennen sollte, auf Grund eines neuen Partners. Der wahre Grund der Trennung liegt in Wirklichkeit doch ganz woanders. Wenn ein Paar inniglich miteinander verbunden ist, sollte es keinen anderen Menschen geben, der in diesen Verbund eingreifen kann. Dieses Eingreifen gelingt meines Erachtens nur, wenn die Schutzhülle der Beziehung – die Liebe - bereits Schaden erlitten und dadurch ein Leck hat.
Ich konnte mich aus dieser destruktiven Beziehung lösen nach einer “Kurzschlußreaktion” meinerseits. Es war zu einer Zeit, als ich von ihm wissen wollte, was ich für ihn bin. Mittlerweile waren zwei Jahre vergangen, ich redete mit – ich weiß nicht wievielen Männern – über ihn und bekam wirklich von jedem eine andere Antwort. Das machte mich verrückt! Mir ging es nur noch drum meine ”Rolle” einordnen zu können. Ich war zu dieser Zeit schon davon weg gekommen, ihn unbedingt haben zu wollen, doch ich wollte wenigstens wissen, wie auch ich ihn in MEIN Leben einordnen kann, um selbst wieder ein normales Leben führen zu können und evtl. den Mut und die Lust wieder zu finden, auf Partnerschau zu gehen. Diese Frage wollte er mir nicht beantworten. Auch hier wurde ich nur wieder abgespeist mit den Worten: “Du hast ja Recht, ich weiß. Ich muss mich jetzt endlich entscheiden.” Und dabei wollte ich gar keine Entscheidung! Ich wollte nur wissen, was ich für ihn bin. Er hätte zum ersten Mal Farbe bekennen müssen, er hätten dann wohl sagen müssen: Du warst für mich nicht mehr als ein nettes Abenteuer – für mehr hat es nicht gereicht. Aber auch das wäre für mich in diesem Moment ok gewesen, denn immerhin hatte auch ich eine wunderschöne Zeit mit ihm verbracht. Nur wollte ich für mein Leben in Zukunft entscheiden können, ob ich diese Rolle weiterhin haben möchte – dann aber voller Bewußtsein und gerne – ohne Opferrolle!
Die Ausflüchte von ihm machten mich wütend und ich hörte den Satz: “Ja, ich muss mich entscheiden.” sicher drei bis vier Mal. Er wollte mir in einer Woche bescheid geben, wie er sich dann entschieden hätte. Diese Entscheidung wollte ich ihm abnehmen, denn das war zuviel der Demütigung nach dieser langen Zeit. Ich wußte ja, was gekommen wäre und so bin ich, nachdem ich ihn versucht hatte telefonisch auf dem Handy zu erreichen – auf dem Festnetz zu erreichen und er so tat, als würde er mich nicht hören – kurzerhand zu ihm gefahren und habe – ein zweites und letztes Mal geklingelt.
So böse es klingen mag, ich habe das bis heute nicht bereut. Ein kleines bisschen Rache ist süß und es war ein wenig Genugtuung für die Lügen, die Hinhaltetaktik, den Vertrauensverlust und die seelische Demütigung, die ich durch ihn erfahren habe – damals. In meiner damaligen, schwachen Situation auf der heimlichen Suche nach dem Traummann, war ich ein gefundenes Fressen.
HEUTE würde ich es anders sehen. Heute würde ich mich auf ein solches Spiel gar nicht mehr einlassen. Heute würde ich mich zuerst selbst an die Nase fassen und meine Situation verändern, als ein solches Spiel mitzuspielen. Ich möchte nicht für alle Zukunft reden, man weiß wirklich nie, was noch alles passiert und in welche Situationen einen das Schicksal manchmal bringt. In diesem Falle bin ich nach langem Leiden gestärkt aus der Sache hervorgegangen. Ich hatte auch nach ihm wieder Anbandlungen mit verheirateten Männern (das bleibt ja nicht aus), habe aber eine Entwicklung nie forciert, im Gegenteil. Ich habe klar mit offenen Karten gespielt, die da waren: Entweder eine angemessene Wertschätzung meiner Person durch die Trennung und dadurch dem Bekenntnis zu mir, oder keine Trennung, wohl aber einen Ausgleich in Form anderer Unterstützung in meinem Leben- meist finanzieller Art, Schweigegeld eben.
Da Männer in dieser Situation besonders gerne zum Lügen neigen, erzählte ich als Abschreckung und Vorwarnung von meiner Fähigkeit nachts am trauten Heim zu klingeln. Wenn ich eines verdammt nicht leiden kann, dann sind es Lügen und das bewußte Spielen mit Gefühlen, um sich einen Vorteil zu verschaffen und dadurch eine gewisse Macht ausüben zu können. Interessanterweise wurde dieser “Warnschuss” immer ernst genommen. Entweder fand man dann zueinander oder man ließ es eben bleiben.
Natürlich ist dieser Kompromiss nicht mehr dasselbe, wie im obigen Beispiel. Es ist nicht die Liebe (war das wirklich Liebe?), die Leidenschaft, es ist ein lockeres Verhältnis, bei dem beide wissen, woran sie sind. Es ist nicht weniger warm und herzlich, aber ehrlich und dadurch vielleicht ein bisschen nüchterner. Es ist kein Höhenflug, dafür bleibt der vorherzusehende Absturz aber auch aus. Es ist harmonisch, vertraut, ehrlich und in jedem Fall beständiger, dadurch macht es glücklicher. Und mit ein wenig Fantasie und spielerischer Leichtigkeit ist auch der Sex nicht weniger interessant, sondern ausbaufähiger und inniger. Ich möchte diese unausgeglichene Rolle der Geliebten nie wieder in der oben beschriebenen Form erleben.
Der Knackpunkt des Ganzen war eine Tatsache, dir mir erst viel später bewußt wurde. Die Co-Abhängigkeit, die Tatsache “zu sehr zu lieben” , die Sucht gebraucht zu werden, die eigentliche Flucht vor Nähe und dass Liebe, die süchtig macht, keine Liebe ist.
Ich war prädestiniert für die Opferrolle der Geliebten. Mein derzeitiges Leben, die Selbstliebe zu mir, die Selbstverwirklichung und das bei mir selbst bleiben haben mich relativ unantastbar für diese Form der Beziehungsführung gemacht. Es gehört in der Tat eine Portion, eine gute Portion Selbstliebe dazu, nicht in die Opferrolle Geliebte zu tappen. Diese Selbstliebe und auch Selbstachtung fehlte mir damals gehörig – nicht zu verwechseln mit Selbstbewußtsein – das hatte ich schon.
Ich kann mir heute auch vorstellen, dass die Geliebtenrolle nicht zwingend mit einer Opferrolle einhergehen muss. Wenn beide wirklich ehrlich mit ihrer Affäre umgehen, kann es beide bereichern - ohne Herzschmerz. Dazu gehört allerdings eine gewisse Größe und das Talent sexuelle Bedürfnisse frei von Schuldgefühlen nach dem Motto “ich darf nur Sex haben, wenn ich liebe (oder so tu als ob)” , ausleben zu können und zu wollen.
Ich habe für diesen Zweck der Verarbeitung meine alten und neuen Bücher aus dem Regal geholt, die das heißen:
- Die Sucht, gebraucht zu werden
- Die Flucht vor der Nähe
- Jeder bekommt den Partner, den er verdient
- Wenn Frauen zu sehr lieben
- Wenn Liebe fremd geht
Ich habe ihn versucht zu verstehen, was mir nur teilweise gelungen ist. In jedem Fall aber habe ich ihm verziehen. Zu einer solchen Konstellation gehören immer zwei und egal in welcher Lebenslage man sich gerade selbst befindet – eigenverantwortliches Handeln hört niemals auf. Man darf auch in schwierigen Lagen die Verantwortung für sein Leben nicht abgeben, nur um im Anschluss einen Sündenbock zu haben und sich selbst in Unschuld waschen zu können. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass er tief in seinem Herzen ein liebenswürdiger Mensch ist und das Passierte nicht mit böser Absicht forciert hat. Wenn das Leben einfach anfängt zu leben, nimmt es einen ohne zu fragen mit und man merkt erst viel später, wo man eigentlich gelandet ist.
Es ist immer wieder eine spannende Reise, denn schon Goethe sagte:
Die Reise gleicht einem Spiel;
es ist immer Gewinn und Verlust dabei,
und meist von der unerwarteten Seite;
man empfängt mehr oder weniger,als man hofft.
Für Naturen wie die meine ist eine Reise unschätzbar:
sie belebt, berichtigt, belehrt und bildet





…ein wirklich sehr gelungener Artikel! Auch ich neige auch dazu, Männern zu verfallen, die in einer sog. heilen Welt leben und man sihc diese auch für sich selbst wünscht, da man soetwas nie erfahren hat.
Man verletzt sich selber sehr damit und es raubt einem die ganze Energie und man fällt in ein tiefes Loch und nur noch diesereine Person gibt uns Sinn im Leben und eben dieses unglaubliche Glücksgefühl und die Höhenflüge, nach denen man nahezu süchtig wird.
Ja ich muss mir eingestehen, es fehlt mir die Selbstachtung und die Selbstliebe. Daran muss ich dringend arbeiten. Vielleicht hat mir dieser Artikel endlich die Augen geöffnet! Vielen Dank.
Hi Vanessa Eden,
das sind ja heftige Gedanken und Erfahrungen.
Sehr interessant.
Gruss
Marcus
Ja, liebe Vanessa, auch ich habe mich in solch einer schwierigen Konstellation über viele Jahre hinweg wiedergefunden. 5 Jahre lang habe ich geliebt, gekämpft und gebetet.. geweint, gewütet um an die Erkenntnis zu gelangen, dass mich all das nur noch fester an seinem Fliegenfänger kleben lässt….
Meine Liebe zu ihm – der Auslöser zu meinem Beruf als Luxus Kurtisane. Und selbst in Hawaii dachte ich nur an ihn…
Welch selbstzerstörerische Erfahrung. Welch Rausch, welch Qual. Aus der heutigen Sicht weiss ich den Auslöser, wie MIR (!!!) DAS nur hat passieren können.
Heute weiss ich, dass meine vorangegangene Abtreibung während meiner Ehe der Grund war, dass meine Ehe zerbrach, weil sie mich in die Arme eines Mannes triebt, der mich süchtig machte und nie wirklich zu mir stand. Meine eigene Selbstbestrafung für meine Greueltaten gegenüber meines ungeborenen Kindes, die ich mir selbst nicht verzieh und für die ich mich selbst so viele lange Jahre bitterböse hart bestrafte.
Es bedarf einer gehörigen Portion Eigenliebe und Selbstachtung um diesen Fängen zu entkommen, bzw. immun zu sein. Nur ist es meiner Meinung nach nur bedingt die Flucht VOR der Liebe, die eine Frau (oder auch Mann!!!) in solch eine Konstellation treibt, als vielmehr die Mischung aus natürlichem Verlangen nach Nähe und Geborgenheit GEKOPPELT mit grossen eigenen (LIEBES-) Versagensängsten und der damit einhergehenden Flucht.
Die Flucht wieder durch die Liebe in eine Situation zu geraten, die einen aufs übelste verletzt, lässt uns gerne im Zuge all unserer Vermeidungstaktiken Wege beschreiten, die auf abenteuerlichste Weise Spiegel unserer Selbst bereitstellen, solange bis wir irgendwann den Mut finden durch sie hindurch zu schreiten, anstatt angstvoll an ihnen vorbei zu hasten. Schon Michael Ende beeindruckte sehr mit dem “Spiegel der Erkenntnis” durch den er seinen Helden Atreiu schreiten lies und an dem so viele vor ihm gescheitert sind…
Die Flucht VOR der Liebe ist immer die Auswirkung der Angst. Und Liebe und Angst liegen nunmal auf der selben Achse. So wie warm und kalt. Verschiebt man den seelischen Regler von Angst nach Liebe, stellen sich automatisch echte Beziehungen im eigenen Leben ein und die Flucht weicht. So einfach ist das. Wie oben so unten, wie unten so oben.
Ich spreche hierbei aus gelebter Erfahrung. Bin ich doch nun schon seit 2 Jahren wieder verheiratet. Und diesmal WIRKLICH glücklich, frei von Schuld und Last. Frei in Liebe und Geborgenheit. Meine Sondermülldeponie trage ich zwar weiterhin selbst für mich ab, aber sie ist aus meiner Vergangenheit und sie hat nichts mehr in meinem neuen Leben zu suchen. Sie wird weniger. Von Woche zu Woche, von tag zu Tag.
Narben werden bleiben, nur wie der alte Mann schon sagte:
“Ein Herz ohne Narben hat nie wirklich geliebt.”
Liebe Vanessa,
wie wahr, wie wahr…..Du sprichts mir aus der Seele.
Auch ich lebe seit 2 Jahren in einer Affäre, für eine Affäre, mit einer Affäre und möchte gerne wieder ohne sie sein.
Die Wochenenden wieder genießen zu dürfen, incl. der Feiertage etc.
Keine Ahnung, wie ich es beenden kann. Mir fehlt die Kraft und die Zuversicht – ich liebe ihn (so denke ich). Doch er flieht. Abstand um alles klären zu können, ohne daß es funktioniert. Entweder ihn oder mich übermannt die Sehnsucht nach dem anderen – und doch scheint es keine Zukunft zu geben.
Verrate mir, wo nehme ich so viel Selbstliebe her um eine Trennung zu überstehen und mit neuem Mut voran zu schreiten?
Danke für den schönen und interessanten Artikel.
“Optimismus ist begründet auf dem Fehlen wichtiger Informationen”
Hallo Ihr Lieben,
am besten funktionieren auf Dauer (oder zumindest einige Jahre)
solche Verhältnisse, wenn beide gebunden sind und sich in der gleichen Situation ´befinden – dann können sie neben der Leidenschaft zu echten Seelenfreunden werden, die sich gegenseitig Kraft geben, um den unbefriedigenden Alltag besser zu meistern.
Aber sicherlich wäre ein klarer Schlussstrich unter eine unglückliche Beziehung besser, wenn man nicht so bequem und feige wäre und keine Kinder und depressive Ehepartner da wären, die man wirklich nicht verletzen will….
hallo ihr lieben,
auch ich befinde mich in einer solchen situation und habe seit einem halben jahr eine afähre mit einem mann der angäblich doch eine so schlechte beziehung mit seiner frau hat es aber auch nie schaffen wird sich von ihr zu trennen.
doch ich weis zz einfach nicht wie ich wieder aus dieser situation wieder raus komme.
Vera
22.Oktober 20010
Hallo ihr Lieben,
auch ich lebe 7 Jahren in solch einem Verhältis,da seine Frau seit 3 Jahren bescheid weiß sehen wir uns doch meist 2 x in der woche meist abends,am WE meist Samstag abends und dann schläft er bei mir,wenn wir Party machen geht er meist So.spätnachmittags nachhaus.
Wir fahren meist 2x im Jahr übers WE mal weg, sind auch oft bei schönem Wetter mal mit dem Motorad unterwegs und waren nun schon 4x im Winter für 4 wochen in Asien mit dem Rucksack.Und doch kann und will er sich net trennen wg.Finanzen und vor allem wg.seiner inzwischen 12 jährigen Tochter(hat auch noch am selben Tag Geburtstag wie er,meint muß sie gut beschützen weil sie im doch sehr ähnelt…die lügt er weiterhin an und dadurch ist unsere Beziehung doch sehr schwierig…
Auch vor allem für mich, er lebt ein 2.Leben zu dem ich keinen Zugang habe,wenige Freunde wissen es ,einige Bekannte aus der Szene auch.
Und nun komm ich schon länger mit den für mich demütigen Situationen dch immer weniger klar…ewig warten nicht,wissen was Sonntags ist,kommt er schon zum essen oder doch erst später abends. Und immer seine Angst wenn ich mit im Auto sitze gesehen zu werden…
Ich durchlebe viele Höhen und auch vor allem Tiefen, mir fehlte bisher die Kraft mich wirklich zu lösen von ihm da ich ja noch immer sehr gerne mit ihm,dem 12 jahre Jüngere zusammen bin,
Ich versuchte schon öfter mich zu trennen,bin im Moment dabei mich mit viel Leid endlich zu lösen…
Er leidet auch ,ist sehr viel mehr im Sreß uns allen gerecht zu werden,sagt ist trotz Ehe oft sehr einsam.
Und doch ändert er nichts,versucht auch weiterhin seine heile Welt aufrechzuerhalten…
Ich hoffe ich schaffe es diesmal wirklich,möchte meine Selbstachtung wiedererlangen und fröhlich sein…
liebe Grüße
ein unglaublicher erfahrungsbericht!! sehr gelungen!!! hut ab, das durchgemachte gelebt und verarbeitet zu haben!
ich danke für diesen artikel, der mich in meiner entscheidung und in meinem handeln bestärkt!!
Sepp Sepp sei kein Depp, die Zukunft ist der Alpenrap
Hallo Vanessa,
auch ich fing an zu leiden. Ich fühlte mich “angezapft” und leer. Ich war nicht mehr dieselbe. Mein Geschäft ging den Bach runter. Allerdings habe ich ihn nie verwöhnt. Ich habe nicht für ihn gekocht und wenn meine Wohnung nicht aufgeräumt, und das Bad nicht geputzt war, war es mir auch egal. Ich dachte: “Sowas hat er doch schon – der braucht was Besseres.
Und irgendwann begann ich zu rechnen. Was mich dieser Aufwand, für ihn da und schön zu sein, gekostet hat. Kurzum – ich rief seine Frau an und machte ihr eine Rechnung auf. Dafür, dass sie zu blöd war, ihren Mann zufrieden zu stellen und ich ihn nun auf der Uhr hatte. WUMS – das hat gesessen! Und schon waren wir Verbündete.
Ich würde nicht sagen, dass ich mich nicht geliebt habe – im Gegenteil: ich war so selbstverliebt, dass ich fest davon überzeugt war, er würde seine Frau für mich verlassen. Es soll aber auch Männer geben, die scharf sind auf selbstbewußte Frauen wie wir – um sie mit dieser Masche runterzudrücken. Im Grunde haben sie Angst vor uns, wollen aber für sich selbst beweisen, dass sie uns haben könnten – wenn sie nur wollten. Und dann? Oh Schreck – sind sie plötzlich in eine Emanze verknallt. Oh Gott. eigentlich war das so nicht geplant (weshalb eine Trennung auch nie ernsthaft in Erwägung gezogen wird.)
Und so ein fester Hieb (Anruf bei der Gattin) tut beiden gut – zumindest ist die Gefahr eines Rückfalls für beide vorerst gebannt