Ich mach dann mal Pause!
22. Juni 2010 – 15:50 | Ein Kommentar

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Darbietung meines Lebens

Eingetragen von Vanessa Eden auf 17. Februar 2010 – 13:163 Kommentare
Gesicht zeigen - Farbe bekennen

Gesicht zeigen - Farbe bekennen

Manche Menschen wundern sich, wie ich – gerade im Internet – so offen mit meinem Leben und meinen persönlichen Erlebnissen umgehen kann. Das haben Menschen aber schon immer getan, sich gewundert, über meine offene Art, von Erlebtem zu erzählen. Ich erntete oft Bewunderung, wie offen ich sei, aber auch Bedenken, ob ich denn keine Angst hätte vor Menschen, die mir Böses wollten. Diese Angst hatte ich nie, da ich mit meiner Offenheit Wind aus den Segeln nehmen kann. Roland Suttner (Boxfabik München) sagte mir viele kluge Dinge, u.a. sagte er mir auch: Mach dich nie erpressbar. 

So musste ich nie Angst haben, irgendjemand könnte etwas erzählen, etwas über mich herausfinden, was ich nicht möchte. Es macht mich für andere vielleicht sogar ein Stück weit langweilig, da sie ja – der Meinung sind! – bereits alles über mich zu wissen. Freiheit, war immer mein oberstes Gebot. Freiheit jedoch erlange ich nur, wenn ich keine Leichen im Keller liegen habe, die mich erpressbar machen. Deshalb, u.a. dieser mutige Schritt zur Offenheit.

Ein weiterer Grund für mich, über das Erlebte zu sprechen, ist die eigene Verarbeitung. Durch das Gespräch mit Menschen oder auch einfach nur das eigene Gedanken machen in schriftlicher Form, lässt Zusammenhänge noch besser erkennen und dadurch oft den Groschen fallen. Lösungen zeigen sich auf,… komplizierte, verstrickte Situationen lösen sich, wie ein Knoten auf, nachdem eine bestimmte Erkenntnis gewonnen wurde.  

Ein anderer wesentlicher Grund für die “Darbietung” meines Lebens ist folgender:

Schwere Depressionen, Alkoholismus, Co-Abhängigkeit, andere Süchte (Sportsucht, Esssucht, Arbeitssucht), Borderline spielten in meinem Leben eine einschneidende und prägende Rolle. Teilweise habe ich es selbst erlebt, teilweise betraf es Menschen in meinem nahen Umfeld oder beides. Ich habe die letzten 15 Jahre damit verbracht diese markanten Erlebnisse aufzuarbeiten. Ich habe über 30 Bücher zu diesen bestimmten Themen gelesen. Diese Bücher wurden oft von Psychologen/Theologen und anderen Fachleuten geschrieben, wie Dale Carnegie (Sorge dich nicht, LEBE), Kurt Tepperwein, Peter Lauster, Dr. Joseph Murphy, Werner Tiki Küstenmacher, Robin Norwood (Wenn Frauen zu sehr lieben), Cornelia Thiels,  Ruedi Josuran, Frederic F. Flach, Anne Wilson Schaef, Rotraud A. Perner und einige mehr.

Viele Bücher wurden aber auch von Betroffenen selbst geschrieben. Gerade diese echten Lebens- und Leidensgeschichten waren es, die mir – sofern am Ende das Happy Ende stand – geholfen haben, nach vorne zu schauen und nie aufzugeben.

Ich möchte meine Geschichte nicht verschweigen, da Passiertes nicht zu verschweigen ist. Ich werde sicher den ein oder anderen betroffenen Menschen aus der Seele sprechen können und möchte mit meiner Offenheit ein weiteres Tabu brechen. Ich bin mir nicht zu schade, mein Leben dafür “herzunehmen”, um positiv beeinflussen zu können.

Geholfen haben mir auch Menschen auf diesem Lebensweg, die mir ihre Geschichte offenbart haben. Ich konnte immer an ihren schweren Erlebnissen Anteil nehmen und gleichzeitig daraus lernen. Sie haben sich mir geöffnet und mir so viel gutes damit getan, mir Mut gemacht, mich positiv getragen und angeschubst. Es waren auch Menschen, die nach ihrer schweren Krise sehr zu Gott gefunden haben und mir auch über diesen Weg viel Kraft und Hoffnung geben konnten. Ich denke hier ganz speziell an Lina und Yvonne aus der Schweiz.

Je länger ich über meinen Lebensweg bis dato nachdenke, desto klarer wird mir auch, dass alles so passieren musste, wie es passierte. Dass ich mein Abi damals, nach der Friseurlehre nicht tun konnte. Zwar aus finanziellen Gründen, doch das spielt keine Rolle. Ich bin unmittelbar nach Abbruch der Schule in die Schweiz gezogen. WEG von allem – ganz ALLEINE – nur für mich. Und es war teilweise die Hölle auf Erden. Die Vergangenheit konnte sich so richtig breit machen und ich war auf Grund der Einsamkeit gezwungen mich mit ihr zu beschäftigen. Ich habe viel gelesen, noch mehr in meine Tagebücher geschrieben und verarbeitet. Heute, nach gut zehn Jahren bin ich frei, natürlich dennoch geprägt, und kann mich auf meinen weiteren Lebensweg konzentrieren. Mein Weg sollte sein, erst die schwere Vergangenheit aufzuarbeiten, die Wunden verheilen zu lassen, um mich dann auf andere Dinge wirklich konzentrieren zu können und nicht mehr rückfällig zu werden.

Die wesentlichen Schritte des Verarbeitungsprozesses sind in etwa so zu beschreiben: Wut/Hass – Trauer – sich mit dem Thema auseinandersetzen – Versuchen zu verstehen – Verstehen – Verzeihen - zu sich finden – loslassen – sich gutes tun – sich selbst annehmen und lieben – nach vorne schauen

Was die Paysexszene betrifft, habe ich es gleich gehandhabt. Ich habe mein Gesicht nicht retuschiert und bin nach meinem offiziellen Outing als Prostituierte im TV auch angesprochen worden. Viel wichtiger noch als den Werbeeffekt, war mir die Offenheit meinen Kunden gegenüber. Ich wollte so gerne offene, ehrliche und tiefe Treffen mit den Männern. Ich wollte keine Rolle spielen, sondern immer ich selbst bleiben. Gleichzeitig wollte ich aber auch mehr von ihm erfahren, um mehr aus diesen Treffen herauszuholen, als ein Orgasmus und Geld. Ich wollte an Lebenserfahrung gewinnen und keine leeren Hüllen treffen. Dieses Bedürfnis ging auch im Bereich Paysex voll auf. Durch meine offene Art durchs Leben zu gehen, begegneten mir die Menschen/Männer mit der gleichen Offenheit, was das Beisammensein bereits nach wenigen Stunden unwahrscheinlich reich, tief und gehaltvoll machte. Wer Offenheit bietet, gewinnt dadurch auch ein großes Stück Vertrauen. Vertrauen, das nötig ist, um sich einem Menschen wirklich zu zeigen und hingeben zu können.

In diesem Sinne freue ich mich, wenn diese Website ein kleiner Denkanstoss auch für andere Menschen ist, die meine Offenheit zu schätzen wissen und denen Ehrlichkeit keine Angst macht.

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3 Kommentare »

  • neugieriger Leser sagt:

    Hallo Vanessa,

    ich hatte beim Lesen ein wenig den Eindruck, dass Sie hier zwei Dinge miteinander vermischen, die getrennt gehören:

    Offenheit und Öffentlichkeit

    Aus Offenheit resultiert nicht zwangsläufig auch Öffentlichkeit und umgekehrt bedeutet Öffentlichkeit nicht zwangsläufig Offenheit.
    Eine Frage, die sich mir immer aufdrängt, welche Motivation hat ein Mensch, der einen scheinbaren Seelenstriptease in der Öffentlichkeit vollführt? Oder anders ausgedrückt, was will ein Mensch damit bezwecken, wenn er sich in der Öffentlichkeit mit den Lorbeeren der Offenheit schmückt?

    mfG

  • Vanessa Eden sagt:

    Hallo,

    was Menschen damit bezwecken, wenn sie offen in der Öffentlichkeit sind, weiß ich nicht. Ich kenne nur meine Gründe und diese sind in obigem Beitrag aufgeführt. Dafür habe ich ihn geschrieben :-)

    mfg
    Vanessa

  • Tian sagt:

    Ich bin zum ersten Mal auf diesen Seiten und habe nur flüchtig die kurze Lebensbeschreibung überflogen, aber ich habe mich schon länger mit dem Thema der öffentliche Selbstdarstellung im Internet auseinandergesetzt.

    Unter der Annahme, dass die Informationen auf diesen (und allen anderen mit diesen verlinkten und über Ecken in Verbindung stehenden Seiten) authentisch sind, und nicht nur Teil einer großen, ausgeklügelten Marketingkampagne, für die jemand die Rolle einer fiktiven “Vanessa Eden” spielt (was, finde ich, durchaus im Rahmen des möglichen liegt; und diese Annahme würde ich nur fallen lassen, falls sie in einem persönlichen Interview entkräftet würde) gehe ich von folgender Annahme aus:

    Viele Menschen müssen heutzutage in (mindestens) zwei divergierenden Identitäten leben: der privaten und der öffentlichen (für die meisten ist die berufliche gleichzusetzen mit der öffentlichen), und für viele ist das eine ziemliche Belastung, weil Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung in öffentlichen Situationen mehr und mehr auseinander laufen.
    Die Begleiterscheinungen davon schlagen sich in Anspannung, Überforderung, Depression, Gereizheit etc. nieder. Der Großteil der ‘normalen’ Bevölkerung kompensiert das durch Vereinstreffen, Sport, Alkohol, Freunde, Drogen etc. aber für einige bleibt diese Differenz zwischen eigentlicher (= privater) und gespielter (= öffentlicher) Identität eine ständige Belastung, die sich auch allgemein auf Leistungsfähigkeit, Glücksempfinden und Zufriedenheit lang anhaltend auswirkt.

    Nun ist es aber so, dass viele von uns nicht so einfach alles aufgeben und sich fortan nur noch ihren eigentlichen Wünschen widmen, denn die Mehrheit ist von der Wertschätzung ihrer Mitmenschen abhängig. Daher ist es wohl für viele leichter diesen ersten Schritt der Selbstentblößung (und damit einhergehend auch das Eingeständnis der Differenz und in Folge eben die Aufhebung der Differenz von Selbst- und Fremdwahrnehmung und entsprechend die Anpassung von privater und öffentlicher Selbstdarstellung) im Internet vorzunehmen.

    So dient das Internet als Testplattform für die angestrebte Angleichung der Selbstdarstellung und hat bei positivem Ausgang schlussendlich Auswirkungen auf die Selbstdarstellung in der physischen Realität und in Folge im unmittelbaren Bekannten- und Freundeskreis.

    Ich glaube die Reihenfolge umzukehren (also zuerst diese gnadenlose Offenlegung innerhalb seines Freundeskreises und in der unmittelbaren Lebensumgebung zu beginnen und sie dann im Internet fortzusetzen) ist für viele wesentlich schwieriger zu realisieren, da, falls es negativ ausläuft, dadurch viele ihre Existenz in Frage stellen.

    Ich habe jedenfalls größten Respekt davor (falls es dann authentisch ist, s.o.) und im Erfolgsfall ist es ja das Beste, was einem passieren kann. Denn nur wenn man in einem solchen Zustand leben kann, in dem Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung in Deckung sind, ist man in der Lage sein volles Potential zu entwickeln.
    Das ist ein unglaublicher Schub für das Selbstbewusstsein, und Zweifel und Ängste werden irgendwann relativ.

    Und das man heute noch betonen muss, dass Erotik ein Lebenselixier ist, ist zwar immer wieder schön, aber auch ein trauriges Zeichen dafür, dass viele es immer noch nicht verstanden haben.
    Vor allem wohl die, die sich die Erlaubnis zum Denken erst einmal von ihrer Kirche oder dem Parteibuch erteilen lassen müssen. Zu welchen Ergebnissen solches fremdgesteuerte Denken führt, kann man ja z.B. bei aktuellen Talkshows wie Maischberger, N3 Talkshow immer wieder verfolgen.

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