TREUE: sich selbst oder dem Partner gegenüber?

Diese Frage kann ich mir persönlich eigentlich sehr gut beantworten – eigentlich! Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre.
Für mich steht die Ehrlichkeit mir selbst gegenüber an erster Stelle. Ehrlichkeit in Bezug auf sexuelle Treue ist bei mir gleichzusetzen mit: Treue ebenfalls auch dem Partner gegenüber. Warum? In dem Moment in dem ich ihn hintergehe, würde meine Beziehung ins Schwanken geraten. Ich könnte mit einem Lügenkonstrukt keine freie und erfüllende Beziehung mehr führen – denke ich, dachte ich…
a b e r:
Was passiert jedoch, wenn die sexuelle Erfüllung mit dem Partner zu wünschen übrig lässt? Was ist, wenn man sexuell unzufrieden bleibt, sexuell unerfüllt, sexuell verkannt und schlußendlich wohl auch sexuell frustriert….? Die sexuellen Wünsche und Bedürfnisse gehen bei Menschen stark auseinander. Man kann somit schon fast von einem Glückstreffer sprechen, wenn es zu 100% passt – und das auch noch auf Dauer! Denn Sexualität entwickelt sich schließlich, wie die gesamte Beziehung – und das nicht immer in die gleiche Richtung.
Und nun gehe ich von diesem Fall aus. Man mag den Partner, ja, man liebt ihn sogar.. nur eben anders. Man begehrt ihn vielleicht weniger stark oder sogar zu stark, so dass der Partner diesem Verlangen nicht stand halten kann. Es entsteht ein Ungleichgewicht in der sonst so harmonischen Beziehung.
Wo liegt nun der Kompromiss? Wem oder was gegenüber ist man eigentlich treu, wenn man treu ist? Widerspricht sich die Treue, also Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zur Treue dem Partner gegenüber? Ist die einzige Möglichkeit diesen Kompromiss zu finden, lügen zu müssen? Entweder sich selbst anlügen, wenn man sich die Situation schön redet und in ihr verharrt oder den Partner anlügen, in dem man fremd geht und sich seine sexuellen Bedürfnisse woanders holt?
Ich habe all diese Fragen für mich versucht auf diese Art zu beantworten:
Ehrlichkeit und Treue möchte ich mir, da ich mir in meinem Leben am nächsten bin, gerne ohne Kompromisse eingestehen. Nur, wenn ich mich mit allen Facetten annehme und mir gegenüber ehrlich bin, kann ich aus ganzem Herzen leben und lieben. Treu möchte ich meinen Bedürfnissen gegenüber sein, treu meinen Wünschen und meinen Träumen. Ich möchte sehr gerne mein Leben mit Menschen teilen, doch es ist und bleibt mein Leben und schlussendlich auch meine Bedürfnisse. Ich kann keinen Menschen dafür verantwortlich machen meine Bedürfnisse befriedigen zu müssen oder können - das muss ich selbst in die Hand nehmen. Wenn ich meine Bedürfnisse nicht auslebe und befriedige, werde ich unzufrieden, zickig, launisch, aggressiv, einfach unerträglich! Für mich steht die Selbstliebe an erster Stelle, denn nur, wenn ich mich selbst liebe, mich und meine Bedürfnisse ernst nehme und auch dafür sorge trage sie zu befriedigen, kann ich ein liebenswürdiger Mensch sein, zufrieden leben und auch den Partner von ganzem Herzen lieben.
Ich gehe noch einen Schritt weiter. Maslow zählt in seiner Bedürfnispyramide- so wie auch ich - die Sexualität zu den menschlichen Grundbedürfnissen, wozu auch das Trinken, Essen und Schlafen gehört. Kein Mensch würde es seinem Partner überlassen, sollte dieser nicht in der Lage sein diese anderen Grundbedürfnisse decken zu können, diese dennoch unbefriedigt zu lassen. Nein, er würde sich selbständig Essen und Trinken besorgen und sich schlafen legen, wenn ihm danach ist. Er würde eigenverantwortlich handeln!
Nur in Bezug auf die Sexualität erwartet der Mensch etwas, was teilweise unmöglich ist! Er macht den Partner für seine Sexualität verantwortlich und erwartet, dass ihm dieser Befriedigung verschafft. Teilweise erwartet er das sogar, obwohl er nicht einmal kommunizieren kann, wie er gerne diese Befriedigung hätte. Und umgekehrt erwartet und wünscht sich der Mensch, dass er alleine die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse seines Partners erreichen kann. Oft weiß er gar nicht wie und manchmal ist es ihm auch egal – sexuelle Treue wird trotzdem eingefordert.
Ich habe manchmal das Gefühl der Mensch quält sich selbst mit seiner selbst auferlegten Treuevorstellungen in Bezug auf die Sexualität. Der Mensch sollte akzeptieren, dass er nur in den wenigsten Fällen seinem Partner alles geben kann, was dieser braucht.
Noch ein bisschen weiter gedacht:
Der Mensch hat nun also die Möglichkeit das Fremdgehen zu verbieten und absolute Treue zu erwarten, was Lügen und Vertrauensmissbrauch zur Folge haben kann, aber auch das Zusammenleben mit einem sexuell unausgeglichenen Partner, der launisch, zickig und vielleicht sogar aggressiv werden kann. Oder er hat die Möglichkeit das Fremdgehen zu akzeptieren (in welcher Form auch immer) und somit evtl. die Chance auf eine langjährige, ausgeglichene Partnerschaft zu bekommen (selbes steht ihm selbstverständlich auch zu).
Dieser Artikel dient nicht dazu, das Fremdgehen zu preisen. Jeder Partner sollte zumindest eine faire Chance erhalten, das tun zu können, was er möchte und wozu er in der Lage ist. Das geht nur, wenn man seine Bedürfnisse und Wünsche offen kommuniziert. Der Artikel appelliert an die Ehrlichkeit und an das eigenverantwortliche und verantwortliche Handeln und vor allem Denken. Zum verantwortlichen Denken und Handeln gehört natürlich das Benutzen von Kondomen (im Fall der Fälle), um den Partner und evtl. auch die eigenen Kinder vor Krankheiten zu schützen.
Kurzum, der Artikel soll zum Selbstdenken anregen – Viel Vergnügen dabei





[...] Und wenn man schon treu ist, wem oder was gegenüber soll man eigentlich treu sein? Sich selbst oder… [...]
Hallo Vanessa,
dein Begriff der Selbstliebe ist auch im Neuen Testament
bei der Bergpredigt Thema. Und zwar ebenfalls als Vorraussetzung
zur Nächstenliebe: “liebe deinen Nächsten, so wie dich selbst.”
Wobei mir der Begriff “Selbstachtung” besser gefällt.
Den kann man nämlich auf zwei Arten verstehen.
Zunächst achte ich mich selbst (mein Wesen, meinen Charakter,
aber ich achte auch auf mich selbst (meine Wünsche, meine Bedürfnisse).
noch was: du stellst die sexuelle Bedüftigkeit in einer Reihe mit
Hunger, Durst und Schlaf.
Dies sehe ich aus zweierlei Gründen nicht so.
1.) sexuelle Enthaltsamkeit ist nicht tötlich.
2.) Bei partnerschaftliche Sexualität, brauche ich ein Gegenüber.
Damit sehe ich diese Form der Sexualität im Bereich der
sozialen Bedürfnisse.
Es sei den man sehe Sexualität als reine Triebbefriedigung
oder Arterhaltung. Dann könnte man es vielleicht in dem
Punkt zu den Grundbedürfnissen zählen
lg
Jürgen
Hallo Jürgen,
für mich ist meine Sexualität weder reine Triebbefriedigung, noch Arterhaltung. Sie gehört zu mir, wie das Essen und Trinken. (siehe auch Artikel Selbstbefriedigung) Ich habe keine Ahnung was passieren würde, würde ich es mir mal zwei Wochen nicht selbst machen. Solange habe ich es bis jetzt noch nicht geschafft
Ich kann mir aber vorstellen, dass ich sehr ungemütlich werden würde. Klar ist natürlich, dass der Trieb und das Bedürfnis bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
Du schreibst: Sexuelle Enthaltsamkeit ist nicht tödlich. Aber gibt es denn überhaupt sexuelle Enthaltsamkeit wirklich? Oder ist das die eierlegende Wollmilchsau. Denn auch Selbstbefriedigung ist Sex – nur eben mit sich selbst.
lg
Vanessa
Hallo Vanessa! Also ich finde deinen Artikel recht ansprechend und du hast absolut recht! Ich bin ein absolut Treuer Mensch nur wurde schon oft an meine Grenzen getrieben dabei zu bleiben. Ich weiß nicht woran es lag. Aber ich weiß dass ich bisher immer vorher meine Partner verlassen habe, sodass ich ihnen das nicht angetan habe. Ich denke niemand hat es verdient betrogen zu werden. Das muss einfach nicht sein. Obwohl es manchmal auch wirklich schwer ist hart zu bleiben und dem anderen gerecht zu werden. Zum Thema Enthaltsamkeit kann ich nur sagen, dass ich Selbstbefriedigung ganz und gar nicht als Fremdgehen ansehen. Es ist lediglich die Zärtlichkeit sich selbst gegenüber, die man einfach manchmal auch braucht! Während Sex mit einem anderen bedeutet Zärtlichkeiten mit einem anderen auszutauschen, was die Treue brechen würde! Liebe Grüße
Liebe Vanessa,
es ist herzerfrischend, Deinen Beitrag zu lesen, zeigt er doch eine Sichtweise auf, die in keine vorgefertigte Schublade passt. Insofern würde ich das “oder” in der Überschrift durch ein “und” gerne ersetzen wollen.
Das “und” würde mir auch besser bei Fromm´s “Haben oder Sein” gefallen. Aber Wissenschaftler versuchen in der Analyse eben immer zu differenzieren, um das spezifische Verhalten zu beschreiben.
Leider gelingt es der Wissenschaft vom Menschen heute immer noch nicht, aus den vielen beschreibenden Analysen eine brauchbare Synthese zu erstellen oder anders ausgedrückt, den Menschen eine Hilfestellung bei der Gestaltung ihres Lebens im Hinblick auf Glück und Zufriedenheit zu geben.
Diese heute immer mehr an Beachtung findende “positive Psychologie” steckt leider noch in den Kinderschuhen, obwohl Maslow ja schon in frühen Jahren mit seiner Bedürfnisanalyse einen hervorragenden beschreibenden und erklärenden Grundstein gelegt hat.
Hallo Vanessa,
Sexualität ist auch Triebbefriedigung und Artenerhaltung, aber eben nicht nur.
Finde nur das z.b. eine partnerschaftliche Sexualitat
auf die Stufe der sozialen Kontakte gehört. Sie gehört auf die Ebene der Kommunikation, Partnerschaft und Liebe und nicht neben Hunger und Durst. Hier differenziert Maslow den Begriff Sexualität leider nicht,
sondern spricht nur von “der Sexualität”.
Ich stimme dir zu, dass Selbstbefriedigung etwas sehr schönes ist,
weiss mann doch oft nur selbst was einem richtig gut tut.
Was ich auch gerne mag ist eine Spielart der
Selbstbefriedigung: Telefonsex
Und zwar nicht über 0900er Nummern, sondern ganz privat über Fetznetz oder Handy.
Hatte schon einige solcher “Telefonsex-Beziehungen” ohne diese Frauen
ja live gesehen zu haben. Spannend daran ist ganz besonders, dass
durch die Anonymität und den räumlichen Abstand eine Art von Sicherheit entsteht, die dazu führen kann, dem anderen seine geheimsten Fantasien mitzuteilen und diese im gewissen Masse auch auszuüben.
Dazu muss ich auch sagen, dass ich über Stimmen und Sprache leicht erregt werden kann. Jemand der das nicht wird, schüttelt wohl bei dieser Art der Sexualität eher den Kopf.
lg
Jürgen